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Geschichte der Karl Jaspers-Klinik


Ansicht von Osten. Vom Kirchturm in Ofen aufgenommen.

Im Jahr 2008 konnte die Karl-Jaspers-Klinik ihr 150jähriges Bestehen feiern. In der Folge möchten wir Ihnen einige wichtige Etappen auf dem Weg von der ehemaligen großherzoglich-oldenburgischen "Irrenheilanstalt zu Wehnen" hin zur modernen, regional vernetzten psychiatrischen Karl-Jaspers-Klinik darstellen. 

Gründung bis zur Jahrundertwende: 1858 - 1900

Nach mehrjähriger Planungs- und Bauphase wurde die heutige Karl-Jaspers-Klinik weit vor den Toren der Stadt Oldenburg als "Irrenheilanstalt zu Wehnen" am 15. März 1858 eröffnet. Ausgelegt war die Anstalt auf 80 Patienten. Diese Zahl stieg kontinuierlich. So befanden sich zur Jahrhundertwende bereits 225 Patientinnen und Patienten in der zu dieser Zeit bereits in "Heil- und Pflegeanstalt" umbenannten Einrichtung.

Von der Jahrhundertwende bis in die Weimarer Republik: 1900 - 1933

Die Bettenzahl stieg weiter und stetig an. Im Jahr 1911 zählte man 310 Patientinnen und Patienten bei 400 aufgestellten Betten. Daneben entwickelte sich die Anstalt zu einem umfangreichen Wirtschaftsbetrieb. Auf einer Fläche von mittlerweile 62 Hektar entstanden mehrere Krankenpavillons und Ökonomiegebäude Nach dem ersten Weltkrieg und in Folge der Weltwirtschaftskrise sank die Bettenzahl zwischenzeitlich auf 176 Betten ab. Bis zum Jahr 1933 stieg die Anzahl der Betten dann wieder auf 300. Bereits im Jahre 1907 begann die Ausbildung von pflegerischem Personal. 1920 wurde die Krankenpflegeschule gegründet.

Nationalsozialismus und zweiter Weltkrieg: 1933 - 1945

Die nationalsozialistische Politik der Euthanasie betraf auch die Heil- und Pflegeanstalt Wehnen. Zwar ist eine direkte Beteiligung an der offiziellen "T4-Aktion", in der Patientinnen und Patienten zur Ermordung in eine der sechs zentralen Tötungsanstalten verlegt wurden, nicht belegt. Aufgrund der historischen Forschung neuerer Zeit kann es jedoch als gesichert angesehen werden, dass zahlreiche Patientinnen und Patienten einer "wilden Euthanasie" durch systematische und drastische Kürzungen der Lebensmittelrationen zum Opfer fielen. 
Die Erforschung dieses Kapitels der Klinkgeschichte wurde im Jahre 1997 mit dem Erscheinen des Buchs “Wat mööt wi hier smachten … - Hungertod und “Euthanasie” in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen im “Dritten Reich” (Druck- und Verlagscooperative; ISBN 3-925713-25-5) des Oldenburger Historikers Dr. Ingo Harms angestoßen. Im unmittelbaren Anschluß an diese Veröffentlichung wurde der Gedenkkreis Wehnen e.V. gegründet, der sich die Aufarbeitung, Erforschung und das Gedenken an die Euthanasieopfer zum Ziel gesetzt hat. Dem großen Einsatz dieser privaten Initiative von Betroffenen ist es auch zu verdanken, dass auf dem Gelände der Klinik ein Denkmal für die Euthanasieopfer errichtet wurde und im Jahr 2004 die ehemalige Prosektur der Klinik zu einer Gedenkstätte mit einer ständigen Ausstellung umgewidmet wurde.

Nach dem zweiten Weltkrieg bis zur Psychiatrieenquete: 1945 - 1975

Die Zahl der Patientinnen und Patienten, von denen viele sogenannte "Langzeitpatienten" waren, stabilisierte sich bei ca. 1000. Im Jahre 1974 wechselte das Krankenhaus aus der Trägerschaft des Landessozialhilfeverbandes in die des Bezirksverbands Oldenburg und 1975 schließlich  in die des Landes Niedersachsen. Das Krankenhaus wurde in "Niedersächsisches Landeskrankenhaus Wehnen" umbenannt.

Von der Psychiatrieenquete 1975 ins neue Jahrtausend - Das Nds. Landeskrankenhaus Wehnen (1975- 2007)

Das Krankenhaus entwickelt sich in der Trägerschaft des Landes Niedersachsen von einem eher unspezifischen psychiatrischen Großkrankenhaus zu einer modernen, überschaubaren psychiatrischen und psychotherapeutischen Fachklinik mit differenzierten und spezialisierten Behandlungskonzepten. Es wurden Stationen zur spezifischen Behandlung verschiedener psychiatrischer Krankheitsbilder eingerichtet, der tagesklinische Bereich wurde erweitert und das soziotherapeutische Angebot erheblich ausgeweitet. Schließlich wurde im Jahre 1990 der sogenannte  "Langzeitbereich" aufgelöst und die Bettenzahl reduzierte sich auf 425 Planbetten/Plätze.
Im Rahmen zahlreicher Sanierungs- und Umbaumaßnahmen wurde der bauliche Standard des Landeskrankenhauses deutlich verbessert. Inzwischen verfügt der größte Teil der Stationen überwiegend über Zwei- bis Dreibett-Zimmer mit eigenem Sanitärbereich.

Weiterentwicklung der Regionalisierung in der psychiatrischen Versorgung - Trägerwechsel zum Psychiatrieverbund Oldenburger Land im Juli 2007

Seit dem 1. Juli 2007 ist der Psychiatrieverbund Oldenburger Land gGmbH neuer gemeinnütziger Träger des ehemaligen Landeskrankenhauses Wehnen. Mit dem Psychiatrieverbund Oldenburger Land gGmbH wird sich in der  Karl-Jaspers-Klinik die bewährte medizinisch-therapeutische und pflegerische Arbeit fortsetzen und weiterentwickeln.
Ziel ist die langfristige Verbesserung der Lebensqualität psychisch erkrankter Menschen. Durch die Vernetzung von stationären, teilstationären und ambulanten Angeboten  wird die Versorgung der Patientinnen und Patienten noch stärker an deren Bedürfnissen ausgerichtet werden. Dies soll es Menschen in akuten seelischen Krisen ermöglichen, die erforderliche Behandlung in Tageskliniken, Institutsambulanzen und in ihrem sozialen Umfeld zu organisieren. Damit wird sich für die Patientinnen und Patienten, deren Angehörige und die Bewohner der Region die Qualität der medizinischen und therapeutischen Versorgung fortlaufend weiterentwickeln.

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