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Karl-Jaspers-Klinik

Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie

Maßregelvollzug als Hoheitsaufgabe des Landes

Die Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Karl-Jaspers-Klinik führt die hoheitlichen Aufgaben des Maßregelvollzugs für das Land Niedersachsen aus.

Hierzu stehen Therapieplätze in 5 stationären Behandlungseinheiten sowie in der forensischen  Fachambulanz  zur Verfügung.

In der forensisch-psychiatrischen Abteilung werden Menschen behandelt, die aufgrund einer bestehenden psychiatrischen Erkrankung straffällig wurden. Die Kernaufgabe des Maßregelvollzugs liegt in der Besserung und Sicherung psychisch kranker und entwöhnungsbedürftiger Straftäter zum Schutz der Allgemeinheit. Die rechtliche Behandlungsgrundlage ergibt sich aus dem Niedersächsischen Maßregelvollzugsgesetz.

Der Behandlungsverlauf gliedert sich in Aufnahme und Erstdiagnostik, berufsgruppenspezifische Behandlungsplanung und -durchführung, Risikoanalyse und Rehabilitationsmaßnahmen.

Der Leistungskatalog ist auf Patienten ausgerichtet, die folgende Unterbringungsparagraphen mitbringen:

§ 63 StGB Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus

Hat jemand eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit (§ 20 StGB) oder der verminderten Schuldfähigkeit (§ 21 StGB) begangen, so ordnet das Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, wenn die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Tat ergibt, dass von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist.

§ 64 StGB Unterbringung in einer Entziehungsanstalt

Hat eine Person den Hang, alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen und wird sie wegen einer rechtswidrigen Tat, die sie im Rausch begangen hat oder die auf ihren Hang zurückgeht, verurteilt oder nur deshalb nicht verurteilt, weil ihre Schuldunfähigkeit erwiesen oder nicht auszuschließen ist, so soll das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt anordnen, wenn die Gefahr besteht, dass sie infolge ihres Hanges erhebliche rechtswidrige Taten begehen wird. Die Anordnung ergeht nur, wenn eine hinreichend konkrete Aussicht besteht, die Person durch die Behandlung in einer Entziehungsanstalt zu heilen oder über eine erhebliche Zeit vor dem Rückfall in den Hang zu bewahren und von der Begehung erheblicher rechtswidriger Taten abzuhalten, die auf ihren Hang zurückgehen.

§ 126 a StPO Einstweilige Unterbringung

1. Sind dringende Gründe für die Annahme vorhanden, dass jemand eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit oder verminderten Schuldfähigkeit (§§ 20, 21 StGB) begangen hat und dass seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt angeordnet werden wird, so kann das Gericht durch Unterbringungsbefehl die einstweilige Unterbringung in einer dieser Anstalten anordnen, wenn die öffentliche Sicherheit es erfordert.

Weitere

  • Akutbehandlungen und Gesundheitsfürsorge
  • Psychisch erkrankte Untersuchungshäftlinge oder Strafgefangene
  • § 81 StPO Unterbringung zur Beobachtung des Beschuldigten
  • § 67 h StGB Befristete Wiederinvollzugsetzung; Krisenintervention
  • § 453 c StPO Sicherungshaftbefehl
  • Psychiatrische, psycho- und sozialtherapeutische Nachsorge (§ 68 b StGB)

Zielsetzung der Behandlung

In den Grundsätzen des Maßregelvollzugsgesetzes wird ausgeführt, dass das Ziel der Unterbringung ist, den Untergebrachten soweit wie möglich zu heilen oder seinen Zustand soweit zu bessern, dass er nicht mehr gefährlich ist.
Der Vollzug soll weitestgehend den allgemeinen Lebensverhältnissen angeglichen werden und den Untergebrachten auf eine selbständige Lebensführung vorbereiten. Seine familiäre, soziale und berufliche Eingliederung soll gefördert werden.
Der Untergebrachte erhält die nach den anerkannten Regeln der ärztlichen Kunst gebotene Behandlung. Diese schließt die Förderung durch pädagogische, psychotherapeutische sowie beschäftigungs- und arbeitstherapeutische Maßnahmen ein.

Aufenthalt

Die Aufenthaltsdauer der forensischen Patienten überschreitet im Regelfall erheblich die der Patienten der anderen psychiatrischen Bereiche. Dadurch ist es notwendig, einen Rahmen zu schaffen, der ein erträgliches und möglichst konfliktfreies Miteinander ermöglicht.
Für den erfolgreichen Behandlungsverlauf ist es wichtig, dass die Patienten über einen langen Zeitraum kontinuierliche Bezugspersonen und Therapeuten haben. Im Stationsalltag stehen dabei neben der ärztlich-psychologischen Behandlung arbeits- und beschäftigungstherapeutische Therapieansätze im Vordergrund.
Um die notwendige Sicherung zu garantieren und gleichzeitig eine schrittweise Resozialisierung zu ermöglichen, ist ein gestuftes System von Lockerungen erforderlich. Die jeweiligen Lockerungsschritte (z.B. Ausführungen mit Pflegepersonal) erfolgen in Abstimmung mit der zuständigen Staatsanwaltschaft.
Zum geeigneten Zeitpunkt wird zusammen mit dem Patienten eine umfassende Entlassungsvorbereitung durchgeführt, die gewährleisten soll, dass ein auf den Patienten "zugeschnittener” sozialer Empfangsraum vorhanden ist.

Klinik für Forensische Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

Seit Anfang Juli 2016 gibt es in der Karl-Jaspers-Klinik auch eine fachlich verselbstständigte  Jugendforensik mit 24 Betten für jugendliche und heranwachsende Patienten, die (ausschließlich) vom Gericht aus nach dem Jugendgerichtsgesetz untergebracht sind.

Hier arbeitet ein multiprofessionelles Team aus Kinder- und Jugendpsychiatern, Psychologen, Sozialarbeitern, Ergotherapeuten, Lehrern, Sport und Bewegungstherapeuten und im Pflege- und Erziehungsdienst mit Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflegern, Erziehern, Heilerziehungspflegenden und einer Hauswirtschafterin.

Ziel der Behandlung ist es, die jungen Menschen zu resozialisieren und ihnen in einem pädagogisch geprägten Setting die Möglichkeit zu Therapie, schulischer Bildung und Ausbildung zu geben.

Ihre Ansprechpartner


Annette Claßen
Direktorin der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
Tel. (0441) 9615-657 (Sekretariat)
E-Mail

Holger Bruns
Pflegedienstleitung Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
Tel. (0441) 9615-677 (Sekr.-212)
E-Mail

§ 63 StGB & Niedersächsisches Maßregelvollzugsgesetz

Bei Patienten, die gemäß § 63 StGB untergebracht sind, handelt es sich um Personen, denen eine Straftat zur Last gelegt wurde, die sie im Zustand der verminderten oder aufgehobenen Schuldfähigkeit begangen haben. Grund hierfür ist in der Regel eine psychische Erkrankung, aus der eine eingeschränkte lmpulskontrolle resultiert.

Die unterschiedlichen Krankheitsbilder erfordern je nach Art und Schwere der Störung und der begangenen Straftat individuelle Behandlungsangebote.

Die Grundlage für die Unterbringung ist das Niedersächsische Maßregelvollzugsgesetz, das den ”Vollzug der durch strafrechtliche Entscheidung angeordneten freiheitsentziehenden Maßregeln der Besserung und Sicherung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt" regelt.