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Experten diskutierten beim 1. Fachtag Sucht in der KJK

Informationen aus der Praxis, fachlicher Austausch und Vernetzung standen im Mittelpunkt

Bad Zwischenahn (09.03.2018) Immer häufiger erhalten Patienten neben der Diagnose „Suchterkrankung“ eine weitere Diagnose, wie z.B. die der Depression oder die einer Persönlichkeitsstörung. Dann spricht man von Patienten mit Doppeldiagnosen. Dabei ist die Frage nach Ursache und Wirkung nicht immer eindeutig: Mal ist z.B. eine Traumafolgestörung ursächlich für die Entwicklung einer Sucht, mal eine Psychose die Folge eines Substanzmittelmissbrauchs. Mit diesen und anderen Fragen beschäftigten sich rund 120 Mediziner und Vertreter aus der Suchtkrankenhilfe am 7. März im Festsaal der Karl-Jaspers-Klinik. Eingeladen zum 1. Fachtag Sucht hatte Prof. Dr. Jörg Zimmerman, Klinikdirektor der Klinik für Suchtmedizin und Psychotherapie an der KJK. Der Mediziner erläuterte zum Auftakt zunächst  das Konzept der suchtmedizinischen Klinik, in der pro Jahr ca. 2.500 Fälle stationär und ca. 1.200 Fälle ambulant behandelt werden. Im Mittelpunkt stand dabei die Darstellung, mit welchen therapeutischen Maßnahmen auf die besonderen Herausforderungen bei der Behandlung von Patienten mit Doppeldiagnosen eingegangen wird: Denn gerade die Behandlung von Patienten mit Doppeldiagnosen erfordert von den im multiprofessionellen Team arbeitenden Behandlern viel Flexibilität und passgenaue Therapieangebote.

Im Anschluss an die Konzeptpräsentation standen vor allem die praktischen Aspekte im Vordergrund. Die Oberärzte der Klinik für Suchtmedizin Dr. Ulrike Matthiensen, Carsten Weber, Dr. Olaf Westhausen und Dr. Vesevolod Shabarin vermittelten in ihren Fallvorstellungen aus dem Klinikalltag Einblicke in die spezifischen Krankheitsverläufe, Ursachen und Therapiemöglichkeiten bei Abhängigkeitserkrankungen. Gerade die Erfahrung in der Arbeit mit Patienten mit Doppeldiagnosen zeige, dass häufig mit unerwartet negativen wie auch positiven Wendungen der Krankheitsverläufe zu rechnen sei, so das Ärzteteam.

Aus wissenschaftlicher Perspektive untermauerte Professor Dr. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, Direktorin der LVR-Klinik Köln die Bedeutung von Doppeldiagnosen: „Jeder dritte Patient mit einer Psychose hat ein Abhängigkeitsproblem“, so Gouzoulis-Mayfrank. Besonders problematisch sei hierbei das Alter des Erstkonsums von Substanzen wie Cannabis. So fördere z.B. der Konsum von Cannabis in einem Alter, in dem der Hirnreifungsprozess noch nicht abgeschlossen ist, die Entwicklung von Psychosen. Aber auch genetische Dispositionen, traumatische Erlebnisse und andere psychische Erkrankungen spielen bei der Entstehung dieser Krankheitsverläufe eine große Rolle. „Schlussendlich verhält es sich bei den Doppeldiagnosen ähnlich wie bei der Henne und dem Ei. Es ist schwierig zu sagen, was zuerst von beidem  da war“ so die Wissenschaftlerin.

Nach dem Hauptvortrag konnten die Teilnehmer des Fachtags in verschiedenen Workshops Thematiken der Suchtmedizin vertiefen.

Meldung vom 09.03.2018
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Referentinnen und Referenten des 1. Fachtag Sucht (von links): Dr. U. Matthiensen, A. Reuter, U. Biehler, Prof. Dr. E. Gouzoulis-Mayfrank, Dr. V. Shabarin, Prof. Dr. J. Zimmermann, A. Klausing, C. Weber, Dr. O. Westhausen, Dr. M. Seewald (Chefarzt der Weser-Ems-Klinik), Dr. G. Burgemeister (Chefarzt der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik), J. Schlieckau (Dietrich-Bonhoeffer-Klinik)
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