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Karl-Jaspers-Klinik

Karl Jaspers

Sohn der Stadt Oldenburg

Der Namensgeber der Klinik

Die Entscheidung zur Namensgebung
Mit der Übernahme des Niedersächsischen Landeskrankenhauses Wehnen durch den Psychiatrieverbund Oldenburger Land gGmbH zum 01. Juli 2007 wurde auch die Umbenennung des Krankenhauses erforderlich. Dabei wurde nach einem Namen gesucht, der sowohl die Verbindung der Klinik mit der Stadt und dem Oldenburger Land repräsentieren sollte, als auch auf eine fortschrittliche und humane psychiatrische Versorgung hinweist.
Ein Blick auf das Leben und Wirken des Namensgebers Karl Jaspers zeigt, wie gut die Benennung der Klinik nach ihm passt.

Der im Jahre 1883 geborene Jaspers ist gebürtiger Oldenburger und Ehrenbürger der Stadt. Seine Familie ist seit Jahrhunderten im Oldenburger Land verwurzelt. Bevor er als herausragender Vertreter der sog. Existenzphilosophie zu einem der bedeutendsten deutschsprachigen Philosophen des letzten Jahrhunderts avancierte, war er lange Jahre als Psychiater tätig und forschte an der Universität Heidelberg. Seine Habilitationsschrift „Allgemeine Psychopathologie“ gilt noch heute als wissenschaftliches Standardwerk im Gebiet der Psychiatrie. 

Jaspers als Psychiater

Als Psychiater an der Universitätsklinik Heidelberg war Jaspers zu Beginn der 1910er Jahre maßgeblich an der der Entwicklung der sogenannten deskriptiven Psychopathologie beteiligt. Dies war einer der ersten Ansätze, den erkrankten Menschen in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen und durch einfühlsames Sich-Hineinversetzen in dessen Erlebniswelt einen Zugang zur Behandlung der psychischen Erkrankung zu finden. Auch Grundelemente zu einem modernen, bio-psychosozialen Gesundheitsbegriff sind bei Jaspers zu finden: „Eine Welt, in der lückenlos der Mensch nur nach allgemeinen und typischen Leistungsfähigkeiten und mechanisierten Einordnungen zugelassen wird, hat für den Kranken keinen Raum. Denn es ist unmöglich, dem Kranken feste Lebensordnungen als Verwirklichung kranken Lebens darzubieten. Er muß im Raum der Gesunden als noch Gesunder mit seinen gesunden Möglichkeiten sich einen Platz erwerben können.“ (Schicksal und Wille. Autobiographische Schriften, München 1967).
Seine wissenschaftliche Tätigkeit als Psychologe und Psychiater konfrontierte Jaspers dabei zunehmend auch mit philosophischen Fragestellungen, was letztendlich zum Wechsel in die Philosophische Fakultät und zur Übernahme eines philosophischen Lehrstuhls führte. Gleichwohl setzte sich Jaspers Zeit seines Lebens mit Fragen der Psychiatrie, des Arztseins und der ärztlichen Verantwortung auseinander.

Jaspers als Philosoph in seiner Zeit

In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde Jaspers ordentlicher Professor für Philosophie in Heidelberg und gab im Jahr 1931 seine „Philosophie“ heraus, ein dreibändiges Werk, das seinen Ruf als bedeutender Repräsentant der Existenzphilosophie begründete. Jaspers ist dabei nicht als Wissenschaftler im „philosophischen Elfenbeinturm“ zu verstehen. Er war zeitlebens von den aktuellen politischen Fragen der Zeit betroffen und nahm zu ihnen Stellung. Jaspers, der mit einer Jüdin verheiratet war, wurde in der NS-Zeit mit einem Publikationsverbot belegt und entging kurz vor Kriegsende nur knapp der Verhaftung. Nach dem Krieg nahm Jaspers seine wissenschaftliche Tätigkeit an der Universität Heidelberg wieder auf. 1948 folgte er einem Ruf an die Universität Basel. Von dort aus bezog er kritisch Stellung zu den Entwicklungen in der Bundesrepublik. Als im Jahre 1967 das ehemalige NSDAP-Mitglied Kurt-Georg Kiesinger zum deutschen Bundeskanzler gewählt wurde, legte Jaspers demonstrativ die deutsche Staatsbürgerschaft nieder und wurde Schweizer. Damit löste er einen international beachteten Eklat aus und gab der Diskussion um die bis dahin kaum stattgefundene Vergangenheitsbewältigung in der Politik einen entscheidenden Anstoß. Karl Jaspers starb am 26. Februar 1969 in Basel.

Karl-Jaspers-Stiftung Basel zur Namensgebung

Zur Namensgebung der Klinik schreibt die in Basel ansässige Karl-Jaspers-Stiftung, die das geistige Erbe des Philosophen betreut: „Ihre an die Karl-Jaspers-Stiftung gerichtete Anfrage zur Benennung eines psychiatrischen Krankenhauses in Oldenburg nach Karl Jaspers hat uns überaus gefreut. Wir sind überzeugt davon, dass sie auch Karl Jaspers selbst gefreut haben würde: Er hat sich zeitlebens als Sohn Oldenburgs verstanden und sich einen Namen in der Psychiatrie gemacht, bevor er öffentlich als Philosoph in Erscheinung trat. Psychiater ist er aber auch als Philosoph geblieben, und es war sein besonderer Stolz, auf diese Weise seine Forderung exemplarisch nachzuleben, dass der Weg zur Philosophie in der heutigen Zeit nur über die Wissenschaft führen könne. Mit der Namensgebung eines psychiatrischen Krankenhauses in seiner Heimatstadt würden Sie diesem Kernanliegen von Karl Jaspers auf adäquate Weise öffentlich Ausdruck verleihen und seine große Leistung auch auf dem Feld der Psychiatrie auf eine ihm angemessene Weise würdigen.“

Karl-Jaspers-Symposium

Ärzte, Philosophen und Ehrengäste beteiligen sich am jährlichen Karl-Jaspers-Symposium in der Karl-Jaspers-Klinik.

Philosophen und Psychiater im Gespräch

Das Karl-Jaspers-Symposium findet einmal im Jahr im Spätherbst in der Karl-Jaspers-Klinik statt. Es beschäftigt sich mit Themen auf der Grenze zwischen Psychiatrie und Philosophie. Das Thema 2013 lautete: "Grenzenlos freier Wille - Dimensionen des Zwangs". Das Karl-Jaspers-Symposium 2014 findet am 17./18. Oktober statt. Die Einladung und das Programm finden Sie hier.

Die Oldenburger Karl-Jaspers-Gesellschaft, in der die KJK Mitglied ist, beteiligt sich an dem Symposium.